Montag, 29. Januar 2024

Gestern Morgen

beeindruckte mich die vom Frost gezeichnete Wiese, jetzt rennen da im Grün zwei Fasane herum. Sie kommen doch sonst im halben Dutzend. Wo ist der Rest? Und warum rennen sie so? Während ich das Geschirr spüle, Wäsche zusammenlege, Papiere ordne, höre ich einen Beitrag vom Deutschlandfunk. Autorinnen über das Altern. Eine sagt: …wir sind nicht mehr verführbar. Das heißt, wir sind jetzt frei. Sie bezieht ihre Aussage auf die Zeit nach der Menopause, in der wir – wir Frauen – erkennen, dass man uns belogen hat mit dem Glücksversprechen für die Zukunft. Ich kann mich zwar an keines erinnern, aber vielleicht war das auch metaphorisch gemeint. Egal. Die Aussage an sich ist ja richtig. Wer nicht verführbar ist, der ist frei. Allerdings vermute ich, dass sich die meisten Menschen – zumindest politisch – für nicht verführbar halten. Die anderen ja. Ich nicht.

Eigentlich sollte ich jetzt an den Schreibtisch (ich habe mich von einem sanften Hirnforscher und der Aussicht auf ein Zertifikat verführen lassen), wäre das Licht draußen nicht so verführerisch. Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass ich mich an der Giebelseite in die Sonne setze, die Augen schließe, die Wärme auf meinem Gesicht und Frühlingsdüfte genieße. Über mir flattern Meisen an Knödeln, ich höre die Geräusche ihrer Flügel. Ein sanftes Klatschen. Schwapp. Schwapp. Wenn ich die Augen ein wenig öffne, sehe ich vor mir zartes Grün. Die Wildrose hat neue Blätter. Der Kater sitzt neben mir vor dem Werkstattfenster. Schnurr.

Samstag, 27. Januar 2024


 

Wenn ich nicht mit aktuellen Modulen der Ausbildung, die keine ist,

beschäftigt bin, nicht über die Frage nachdenke, warum es nicht reicht, einfach „nur“ in Beziehung zu sein, sondern warum es echte Begegnungen braucht, damit wir uns in der Familie, der Freundschaft, der Liebesbeziehung, der Gesellschaft ent-falten können, wenn ich nicht mit der Zubereitung von Mahlzeiten oder dem Verspeisen selbiger beschäftigt bin, keine Rehe im Wald oder auf der Wiese erschrecke, nicht mit Frau J. kaffeetisiere, dann schau ich mir Dokumentationen über Tanz und Tänzer an. 

Freitag, 26. Januar 2024

Fast auf die Minute genau setzt der Regen ein,

den das Regenradar vorausgesagt hat. Ich bin froh, dass ich meinen letzten Arbeitstermin in Berlin noch schnell verschoben habe. Da hätte ich ja triefend in der Bahn gesessen. Die ODEG fährt. Allerdings ist sie zwischen Berlin und Spandau rappelvoll. Viele Menschen nutzen sie als Alternative zur S-Bahn. 

Dienstag, 23. Januar 2024

Wenn es regnet, wenn die Berge im Nebel liegen, der Schnee auf den Hügeln grau ist,

dann sieht es nicht mehr ganz so idyllisch aus. Die Stimmung dann eher für Schwermütige. Schwermütig könnte ich auch werden bei dem Gedanken an den fünftägigen Bahnstreik, der morgen beginnt. Ich soll meine Reise doch bitte so planen, dass ich entweder früher oder später fahre. Also fahre ich heute. 

Sonntag, 21. Januar 2024


 

The same procedure as yesterday

Die Frauen sitzen nach dem Frühstück am großen Küchentisch an ihren Laptops. Die Freundin wirkt bekümmert. Sie hat Gedankenzerfahrenheit, sagt sie. Der Junge rodelt derweil mit den Nachbarskindern auf dem Hausberg. Das Mädchen hat keine Lust, sie wird in zwei Stunden wieder auf Skiern stehen und den Anfängerhang herunterfahren, den sie sich gestern erobert hat. Ihre beiden Trainer waren voll des Lobes. So schnell lernen das nur sehr wenige Kinder. Es sei denn, sie werden auf Skiern geboren, wie das hier in der Gegend wohl öfter vorkommt.  

Freitag, 19. Januar 2024

Flauschige Flocken spielen vor meinem Fenster Fangen

Die Freundin hat mir den zweiten Kaffee ans Bett serviert. Sie steht kurz nach 6 auf, weckt die Kinder, die dann eine Stunde später über den Berg gefahren werden. Zur Schule. Zur Vorschule. Wenn ich aufwache, ist sie seit zwei Stunden auf den Beinen, hat schon wieder diverse neue Kilometer auf dem Tacho. Ständig muss irgendjemand gebracht oder abgeholt werden. Ich würde einen Trilli kriegen. 

Mittwoch, 17. Januar 2024

Überall Schnee - auf dem Balkon, den Wiesen, den umliegenden Bergen

Eine kalte weiße Winterwelt. Die konnte ich gestern auch vom Zug aus bestaunen. Am schönsten fand ich die Strecke zwischen Erfurt und Bamberg. Die Hänge mit den schlanken weiß gepuderten Fichten schienen einer geheimnisvollen anderen Welt anzugehören. Beim Betrachten stieg eine leise Sehnsucht in mir auf. Am liebsten wäre ich ausgestiegen und hätte mich in den Wald gesetzt. Und dann ging auch noch spektakulär die Sonne unter. 

Montag, 15. Januar 2024

Auf dem Heimweg sind die Bürgersteige mit einer dünnen Eisschicht bedeckt

Ich schleppe mich so dahin. Eigentlich wollte ich noch in die Edvard Munch Ausstellung in der Berlinischen Galerie, aber dann habe ich mich bei Humana vertüdelt. Jetzt tut mir mein Fahrgestell weh. Das Haus von weitem still und dunkel. Nirgendwo ein Licht. Das ist ungewöhnlich, wenigstens die Werkstatt ist sonst erleuchtet. Im Flur brennt das Notlicht. Aus der Küche höre ich Geräusche. Der Freund sitzt im Dunkeln im Wintergarten und hört Musik. Trotz Decke und Wärmflasche friert er. Seine Knochen schmerzen. Ich mache frischen Tee. Eine zweite Wärmflasche.

Samstag, 13. Januar 2024

Auf der Wiese

nur noch vereinzelt winzige Inseln von Schnee. Das Eis auf dem See hinter dem Garten schmilzt langsam. Die Meisen sind heute sehr zurückhaltend, aber ich habe gestern gesehen, dass bei der Nachbarin die Knödel im Dutzend hängen, da wundert mich das nicht. Kinder, ihr werdet mich noch vermissen. Oder auch nicht. 

Donnerstag, 11. Januar 2024

Es ist kalt geworden

Da steige ich nur ungern aufs Rad, aber ich brauche Hilfe. In meinem Körper Chaos. Als wäre da eine einzige große Wunde. In dem alten Bauernhaus mit den niedrigen Räumen und den mit Lehm verputzten Wänden prasselt ein schönes Feuer im Ofen. Göttin sei Dank. Auf einer Leiter neben dem Ofen sind Holzscheite geschichtet, das sieht aus wie eine Skulptur. 


 

Dienstag, 9. Januar 2024

Der Crumble ist im Ofen

Die freundliche Frau von der Post hat mal wieder durch Hupen auf die Lieferung aufmerksam gemacht und mir die neuen Notizbücher und das Paket mit den Meisenknödeln über den Zaun gereicht. Vor dem Treffen mit der Freundin aus dem Nachbardorf - wir schreiben, reden - höre ich noch einmal Now and then. Ich kann den Song inzwischen mitsingen. ….I want you to be there for me..always to return to me…Und dann weine ich wie lange nicht. 

Montag, 8. Januar 2024

Now and then

Ich weiß nicht, zum wievielten Mal ich das nun höre. Immer wieder kommt eine Träne. Es ist an mir vorübergegangen, dass es dank KI einen neuen Beatles-Song gibt. In den 70ern schrieb John drei Songs, nahm sie auf Kassette auf, diese gab Yoko irgendwann in den 90ern den drei anderen. Erst dank moderner Technik konnten sie aus dem letzten Stück einen Song machen. Vorher war Johns Stimme zu leise oder was weiß ich. 

Sonntag, 7. Januar 2024

Die Hand vor Augen sehe ich erst,

nachdem ich mich an die Dunkelheit gewöhnt habe. Das dauert eine Weile. Dann sehe ich auch die feine silberne Schicht auf der großen Wasserfläche. Die Windräder blinken freundlich zu mir herüber. Ich hätte mir wärmere Schuhe anziehen sollen. In den Gummistiefeln habe ich nach wenigen Minuten Eisfüße. Dafür verbrenne ich mir am Glühwein die Zunge. Ab und zu landet eine Schneeflocke auf meinem Gesicht. 

Samstag, 6. Januar 2024

Reste von Schnee auf den Wiesen

Das Wasser geht fast bis zum Kompost. Es hat sich in Querrichtung ausgebreitet. Regnen soll es in den nächsten Tagen Gott sei Dank nicht. Am Knödel tummeln sich meine Vögel. Ein paar stehen immer an der Scheibe und schauen zu mir herein. Eine Meise hat mich mit ihrem energischen Klopfen heute sogar geweckt. Um halb zehn. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so lange geschlafen habe. 

Mittwoch, 3. Januar 2024

Als ich gestern Abend wieder zu Hause war,

hätte ich mich auswringen können. Was hat das geregnet. Aber dank der zweiten Leuchte habe ich mich immerhin auf der dunklen Landstraße sicherer gefühlt. Trotzdem bin ich dann fast an meinem Weg vorbeigefahren, in den ich einbiegen muss. Schon vor Wochen hat jemand das Schild geklaut. Ob man uns ein neues spendiert eines Tages? 

Dienstag, 2. Januar 2024

Der Kater steht draußen vor meiner Tür

Miauend. Es sieht aus, als hätte er auf mich gewartet. Ja, da guckst du blöd. Ich muss hier deinen Job machen. Geh mir bloß aus dem Weg. Meine Laune nicht im Plus-Bereich. Zumal ich merke, dass es schon wieder nieselt. Ich bin im Morgenmantel unterwegs, habe mir gerade mal einen Schal umgelegt. Egal. 

Montag, 1. Januar 2024

Aufgeschoben ist leider

nicht aufgehoben. Und deswegen saß ich gestern bis kurz nach 23 Uhr an den Korrekturen der letzten Texte für unseren Katalog. Seit Wochen hatte ich deswegen Bauschmerzen. Hatte mich innerlich und äußerlich im Kreis gedreht, schlecht oder gar nicht geschlafen. Habe mir selber Druck gemacht und mir Druck machen lassen. Und dann die Erlösung. Das Ende. Die Entspannung.