Stadtneurotikerin auf dem Land
Mittwoch, 2. April 2025
18 Schwäne, 4 Bachstelzen, keine Autos auf dem Plattenweg
Das ist der Vorteil der Brückensperrung. (Ist das vielleicht das morphische Feld, das Brücken dazu veranlasst, ihren Dienst zu quittieren?) Kleiner Nachteil, aber kaum der Rede wert: Ich muss mit dem Rad über das Wehr. Leichter getan als vermutet. Ich kann es einfach rüberschieben. Sogar Mohnkuchen hatte der Bäcker noch. Ich habe die letzten Stücke genommen und dabei an die Nachbarn gedacht, die sich bestimmt freuen würden. Und siehe da: Da war jemand vor mir beim Bäcker und hatte dieselbe Idee. Also erst einmal gemütlich in der Sonne unter dem Walnussbaum kaffeetisieren. Dabei ein paar Überlegungen vergleichen, auch unterschiedliche, die ich nicht Haltung nennen mag. Dieses Wort wird ja von Hinz und Kunz benutzt, um sich moralisch auf der "richtigen" Seite zu positionieren.
Aber schaffen wir tatsächlich Frieden mit immer mehr Waffen? Ging dieser Spruch nicht mal anders? Und meinen die Grünen das ernst mit dem "Freiheitsdienst"? Allein der Name, ich könnte mich kringeln. Andererseits, ich bin fast 70. Mich würde das nicht betreffen. Ich habe auch keine Enkel oder Urenkel, die den Schuldenberg abtragen müssen, den ich absurd finde. Warum ärgere ich mich? Atme mal lieber meine Liebe. Schau den Vögeln zu. Kraule den Kater, der mal wieder an mir vorbei die Treppe hoch geschossen ist und der sich jetzt auf dem Sofa räkelt. Der ist real und liebebedürftig.
Dienstag, 1. April 2025
Die Kirschpflaumen blühen und duften
Kein Reh tritt aus dem Wald heraus. Die beiden Roten Milane umkreisen sich schon wieder. Nach Liebesspiel sieht es nicht aus. Eher nach kleinen Revier-Rangeleien. Hört mal ihr Schnuckies. Wäre hier nicht Platz für zwei? Die Sonne scheint, für heute haben sie auch keinen Regen angekündigt.
Am Sonntag hatten wir das erste Aprilwetter. Mehr Regen als Sonne. Und kalt war es. Abends gab es die schönsten, dicksten, farbigsten Regenbögen, die ich je gesehen habe. Wer macht so etwas? Lichtbrechung, schon klar. Trotzdem kann ich nur demütig werden, wenn ich so etwas sehe. So ging es wohl Wolfgang Büscher in der Wüste, als ihm Felsformationen begegneten, die wie eine Plattensammlung aussahen. Wer ist der Sammler? Ein Naturspektakel. Mit großem Interesse habe ich im Deutschlandfunk Kultur ein Interview mit dem Autor gehört, in dem Fragen zu seinem neuen Buch "Der Weg" gestellt wurden. Ich habe es sofort bestellt, zur Einstimmung dann gleich Texte von und über Charles de Foucauld gelesen, der bei dieser Reise durch den Süden Algeriens mit im Auto saß. Jetzt bin ich noch neugieriger auf den Text. Gleichzeitig ist mir aufgegangen, dass ich den Kleinen Schwestern Jesu - die in der Nachfolge Bruder Karls (Charles) stehen - schon einmal begegnet bin. 2022 hatte ich beim Mitleben im Kloster Hülfensberg Corona bekommen und musste in Quarantäne. Mehr als eine Woche habe ich den Gästetrakt blockiert, in dem eigentlich die Kleinen Schwestern hatten wohnen sollen. Im Garten hatte ich eine kurze Unterhaltung mit einer der Schwestern, die mir mitfühlend gute Besserung gewünscht hatte. Sorry nachträglich.
Sonntag, 30. März 2025
Samstag, 29. März 2025
Kein Nebel, keine Rehe
Gestern Morgen war draußen noch alles weiß vom Nachtfrost. Ricke und Bock, die auf der Wiese miteinander spielten oder sich Avancen machten, habe ich nur verschwommen gesehen. Auch bei mir drinnen war es kalt. Ein paar Stunden später saß ich schwitzend auf dem Bahnsteig und wartete auf den Zug. Der sich mal wieder verspätete. Aber gut, ich hatte Zeit. Es spielte keine Rolle, ob ich 20 Minuten früher oder später in Bad Wilsnack war.
Rund um den Bahnhof hübsch hässlich, aber so ist das ja meist. Im Zentrum schöne alte Häuser, unspektakulär und gerade deswegen nett. Den Weg zur Wunderblutkirche St. Nikolai habe ich auf Anhieb gefunden. Von außen sehr imposant, geradezu riesig, innen kam es mir dann kleiner vor. Es war nicht schwierig, die Wunderblutkapelle mit dem Schrein zu finden. 1383 hatte ein Ritter von Bülow Wilsnack und etliche andere Dörfer niedergebrannt, später hatte ein Priester namens Calbutz die drei Hostien in seiner Kirche entdeckt, die in einen Balken eingearbeitet waren. Sie waren fast unversehrt geblieben, auf jeder befand sich nun allerdings ein Blutstropfen. Dann gab es noch ein paar bezeugte Wunder, zack war Wilsnack ein Wallfahrtsort, zu dem Menschen aus allen Teilen Europas gepilgert waren. Nach der Reformation verbrannte ein evangelischer Pfaffe die Bluthostien allerdings, da ihm diese ganze Anbetung zuwider war. So kann es gehen. Aber auch heute noch kommen Pilger. Sogar ein Pilger-Café gibt es. Guter Kaffee, beeindruckende Torten. Ich kann Mohn-Eierlikör empfehlen.
Nach der Stärkung bin ich über die Große Straße zur Karthane gelaufen, einem Fluss, der nicht viel größer ist als unsere Alte Jäglitz. Über die Liebesbrücke an der Kneipp-Anlage, die noch nicht in Betrieb ist und den Grünen Weg bin ich dann zurück zur Kirche, zum Bahnhof. Ein netter kleiner Ausflug, den ich bestimmt wiederholen werde. Sind ja gerade mal 20 Minuten mit dem Zug. Auf dem Heimweg ist mir dann mal wieder fast ein Fasan vor das Rad gelaufen. Die sind so schnell, die rennen immer, man sieht sie erst, wenn es schon fast zu spät ist. 14 Schwäne und einen Mäusebussard später war ich wieder zu Hause. Wo es doch sehr schön ist.

-
Auf meinem Bildschirm nichts. Keine Webseite. Nur der Hinweis: „Ein Fehler ist aufgetreten.“ Ich kenne doch die Tücken der digitalen Welt. W...
-
Dabei habe ich mich gestern so ausführlich über die Keto-Ernährung informiert. Da gibt es nichts Süßes. Jedenfalls nichts, was mit herkömmli...