Da vermisse ich mein Atelier. Doch als ich vorgestern aus dem Bus stieg, die vertrauten Straßen lief, da überkam mich plötzlich eine große Trauer. Das war mein Zuhause. Und aus diesem Zuhause wurde ich vertrieben, grollte es in mir. In diesem Moment hatte ich vergessen, wie oft ich in der Vergangenheit ausziehen wollte, wie ambivalent ich in Bezug auf die WG gerade in den letzten Jahren war. Aber so ist das vielleicht mit dem Schmerz beim Abschied. Da kommen Erinnerungen hoch, die weniger schönen, aber vor allem die schönen. Die Heimatgefühle.
Der Garten war Teil meiner Heimat. In den Jahren nach dem Auszug der Schwestern war es auch das kleine Apartment unter dem Dach. Aber vor allem war das große Zimmer über dem Mediraum mein Zuhause, in das ich nach Anidanas Tod 2016 umgezogen bin und das ich 2021, als ich immer mal wieder unterwegs sein wollte, aus Kostengründen gegen das winzige Gästezimmer getauscht habe.
Ich war in der Praxis. Habe eine alte Freundin getroffen und die Distanz zwischen uns gespürt, die sich nicht einfach wegdiskutieren lässt. Immer wieder komme ich auf den Punkt, dass man erst merkt, wie demokratisch eine Gesellschaft wirklich ist, wenn man anderer Meinung ist als der Mainstream. Wer immer ja sagt - mit kleinen vernachlässigbaren Einschränkungen - der hat natürlich keine Probleme. Da lebt es sich ganz ungeniert, alles ist tutti.
Ich konnte das mit dem "ja-sagen" in der DDR nicht, ich kann es heute nicht. Wenn ich höre, dass der Philosoph und Autor Hauke Ritz in der Brotfabrik keinen Vortrag über die Hintergründe des Ukraine-Krieges halten darf, dann ärgert mich das. Dann denke ich, wieso fällt ihnen nicht auf, dass da etwas nicht stimmt mit ihren "Räumen für eine freie Debattenkultur"? In der Brotfabrik wusste man leider, leider, sorry nicht, welch subversiven Redner der Kulturkreis Pankow eingeladen hatte. Sonst hätte man doch gleich nein gesagt. Und wie subversiv der ist, das können Mann und Frau schließlich bei Wikipedia nachlesen. Da weiß man dann wenigstens sofort, welche Gesinnung gerade erwünscht und toleriert wird, wer Nazi ist usw. Ich möchte manchmal weinen.
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